Pathologie

Die Pathologie (gr. Pathos = das Leiden und Logos = das Wort) ist in der ursprünglichen Wortbedeutung die Lehre von den Krankheiten. Die Hauptaufgabe der Pathologen in heutiger Zeit ist neben der Erforschung der Ursachen der Krankheiten in der täglichen Praxis die mikroskopische Untersuchung von Gewebsproben und Operationspräparaten. Im Zusammenhang mit der Darmkrebserkrankung kommt dieser histologischen (feingeweblichen) Untersuchung entscheidende Bedeutung zu für das weitere therapeutische Vorgehen beim Nachweis von Darmkrebs oder seinen Vorstufen bei einer Koloskopie (Darmspiegelung).

Grundsätzliche Rolle der Pathologen als "Aufklärer"

Es waren Pathologen wie Professor Dr. K. Elster und Professor Dr. B. Morson, die erstmals in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gezeigt haben, dass Krebs zumeist aus gutartigen Vorläufern, den Adenomen, entsteht. Damit war zu erwarten, dass die Entfernung dieser Vorläufer den Krebs verhindern könnte. Die endoskopische Abtragung dieser Krebs-Vorstufen wurde erstmals im Jahr 1973 in Erlangen durchgeführt. Dass diese Polypektomie die Rate der kolorektalen (Dick- und Enddarm-)Karzinome um 70 bis 90 Prozent tatsächlich senken kann, ist dann in den 90er Jahren in einer großen amerikanischen Studie eindeutig gezeigt worden.

Der Pathologe stellt die Weichen für Diagnostik und Therapie

Jede Gewebsprobe, die bei einer Koloskopie von einem Polypen genommen wird, wird von einem Pathologen untersucht. Er stellt fest, ob es sich um einen gutartigen Polypen, um eine Polypen mit Krebs-Vorstufen oder schon um ein Karzinom handelt. Diese Diagnose entscheidet über das weitere Vorgehen: werden nur wenige gutartige Adenome diagnostiziert, reicht es aus, die nächste Kontrollkoloskopie in drei Jahren durchzuführen. Werden aber im Adenom schon Krebsvorstufen entdeckt, muss die nächste Kontrolle spätestens in einem Jahr erfolgen. Findet der Pathologe im Adenom schon ein (Früh-)karzinom, entscheidet die histologische Aufarbeitung über die Frage: Operation oder nicht. Wenn ein Frühkarzinom mit geringgradigem Risiko einer möglichen Metastasierung in die umgebenden Lymphknoten vorliegt, kann auf eine große Operation verzichtet werden. Wenn aber histologisch ein erhöhtes Risiko einer derartigen Absiedlung von Tochtergeschwülsten in die umgebenden regionalen Lymphknoten vorliegt, muss die operative Therapie folgen.

Die Rolle des Pathologen bei und nach einer Operation

Wenn ein fortgeschrittenes Karzinom vorliegt, ist das Ergebnis der Untersuchung dieses Präparates durch den Pathologen für das weitere therapeutische Vorgehen entscheidend. Dazu muss der Pathologe nicht nur den Tumor, sondern auch sämtliche Lymphknoten untersuchen, um das Tumorstadium exakt zu bestimmen. Dies ist dann die Basis für die Entscheidungen darüber, ob eine zusätzliche Chemotherapie und ggfs. zusätzliche Bestrahlung (beim Enddarmkarzinom) angezeigt ist.