Darmkrebsmodell: Großer Andrang sorgt fast für Verstopfung

Friedberg (glb) - Hunderte drängten sich am Wochenende durch den aufblasbaren rosa Schlauch in der Turnhalle des Friedberger Gymnasiums. Das Darmmodell der Felix-Burda-Stiftung stellte das menschliche Hochleistungsorgan so anschaulich dar, dass am Eingang immer wieder Wartezeiten entstanden. Sonst wäre es drinnen zur Verstopfung gekommen...

Die Hälfte der Patienten nutzt keine Vorsorge

„Sie haben den ersten Schritt getan!“, lobte Chefarzt Dr. Alexander Stiebens die Anwesenden. Diese informierten sich schon mal über die Darmkrebsvorsorge. Laut einer ganz neuen Studie hätte von allen Darmkrebspatienten die Hälfte nichts von den Vorsorgemöglichkeiten gewusst. Eine andere Studie besage, dass es heute schon durch die Darmspiegelungen 2000 Neuerkrankungen und 1000 Krebstote weniger gebe. Vor der Untersuchung müsse niemand Angst haben. Zwei Liter Abführmittel müsse der Patient am Tag vorher trinken. „Viele Bayern gehen gerne aufs Oktoberfest und trinken dort fünf Maß Bier. Wenn sie einmal zwei Liter einer weniger gut schmeckenden Flüssigkeit zu sich nehmen, können sie danach noch viele Jahre weiter aufs Oktoberfest fahren“, gab Stiebens zu bedenken. Wenn das mal keine Motivation ist ...

Das Krankenhaus Friedberg entwickelt sich zum Darmzentrum Augsburg-Friedberg. Die entsprechende Zertifizierung soll im Mai sein. Dessen Koordinator wird Dr. Albert Bauer. Der Oberarzt hielt gleich den einführenden Vortrag und erklärte die Funktionsweise des Darms und die Entstehung von Krebs. „Darmkrebs entsteht in einem Zeitraum von zehn Jahren. Darin liege die Chance zur Vorsorge.

Die fünfjährige Sofie findet den Darm „gar nicht eklig“

Auch wenn schon ein Krebs vorhanden sei, stünden die Heilungschancen gut. Im ersten von vier Stadien lägen sie bei 95 Prozent, im vierten dagegen nur noch bei acht. Die Gäste waren begeistert. „Sehr interessant“, „sehr informativ“, „sehr anschaulich“ lobten sie die Vorträge und das Darmmodell. „Gar nicht eklig“ fand es die fünfjährige Sophie. Sie wusste schon, dass der Darm im Bauch zu finden ist. Jürgen Späth, ihr Vater, ist zwar noch weit von jenem Alter entfernt, in dem die Darmkrebsvorsorge empfohlen ist, trotzdem ist er fest entschlossen, später hinzugehen.

Erfahrung mit Darmspiegelungen haben Manfred und Christa Spindler und Stadtrat Jakob Eichele. „Jetzt sind wir beruhigt“, meinten alle drei. Eine ganze Reihe von Ärzten erklärte die Behandlungsmöglichkeiten von Darmkrebs. Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie, jeder Fall sei anders und müsse individuell entschieden werden.

Das Thema traf den Nerv der Patienten. Den ganzen Tag drängten sich die Leute. Die Idee von Fachkrankenschwester Margit Luccesi, das Darmmodell zum Darmkrebsmonat 2009 nach Friedberg zu holen, war ein voller Erfolg gewesen.

(Quelle: Augsburger Allgemeine, Bericht vom 24.03.2009)

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