Ein Netzwerk gegen den Darmkrebs

Von Andreas Schmidt

Aichach-Friedberg Das Friedberger Krankenhaus ist jetzt zusammen mit einem Netz von etwa 30 Kooperationspartnern wie Fachärzten aus der Region das erste Darmzentrum im Großraum Augsburg. Gemeinsam setzen die Fachleute auf Früherkennung, um die Heilungschancen bei Darmkrebs zu erhöhen. Wenn operiert wird, sollen sich die Patienten in sicheren Händen wissen.

Auch dies soll die offizielle Zertifizierung als „Darmzentrum Friedberg-Augsburg“ vermitteln. An etwa jedem dritten Tag wird in Friedberg mittlerweile eine schwere Darmkrebsoperation durchgeführt - etwa ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die für heuer vorhergesagten entsprechenden 128 Operationen sind ungewöhnlich viel für eine Klinik dieser Größenordnung.

Bei der Übergabe der Zertifikate durch Landrat Christian Knauer gab sich der Leiter des Darmzentrums, der Friedberger Chefarzt Dr. Fritz Lindemann, selbstbewusst. Man wolle mit dem Zentrum eine Alternative zum Augsburger Klinikum anbieten. Trotz aller guten Zusammenarbeit spreche nichts gegen ein „bisschen Konkurrenzkampf“, meinte auch Landrat Knauer. Für die Initiatoren des Zentrums am Krankenhaus wandelte er den Wahlspruch des amerikanischen Präsidenten Obama um: „Sie können es nicht nur, sondern tun es auch.“

Einige Voraussetzungen müssen für die Zertifizierung als „Darmzentrum mit Empfehlung der Deutschen Krebsgesellschaft“ erfüllt werden. Externe Experten haben dafür die Struktur von der Vor- bis zur Nachsorge an zwei Tagen überprüft. Ob die Vorgaben weiter eingehalten werden, werde jährlich überprüft, erklärte der Koordinator des Zentrums, Oberarzt Dr. Albert Bauer. Zu den regelmäßigen Einrichtungen zählt eine wöchentliche Tumorkonferenz, bei der Mediziner aus sechs Fachrichtungen jeden Einzelfall besprechen.

Zu den Besonderheiten des Zentrums zählen laut Bauer die vielen niedergelassenen Kooperationspartner. Zusammen wird großer Wert auf die Vorsorge gelegt, wie Facharzt Dr. Michael Zilly (Augsburg) betonte. Dass die Erkrankung in fast allen Fällen heilbar ist, wenn die Vorstufen rechtzeitig erkannt werden, wissen mittlerweile die meisten Patienten. Die Bereitschaft zur Untersuchung bei einer Darmspiegelung hinke aber hinterher, bedauerte Zilly. Es sind vor allem die niedergelassenen Ärzte, die Darmspiegelungen, aber auch die Behandlung vor und nach Operationen übernehmen. Dass der Grundsatz „ambulant vor stationär“ Vorteile für die Patienten mit sich bringt, erläuterte Facharzt Prof. Dr. Markus Bangerter (Augsburg).

Wenn operiert werden muss, leidet nicht nur der Körper, sondern auch die Seele. Darum wird den Tumorpatienten im Friedberger Krankenhaus persönlich eine psychosoziale Beratung angeboten. Die dafür mit zuständige Ärztin Barbara Haider weiß, wie wichtig dies für viele Betroffene und ihre Angehörigen ist: „Eine Krebsdiagnose ist immer ein unerwarteter Schock.“

(Quelle: Augsburger Allgemeine, Bericht vom 04.12.2009)