Im Blaumann stehen sie an für die Vorsorge

Von Andreas Schmidt

Friedberg Sie kommen von der Arbeit oder haben ihre Schicht bei dem Friedberger Kolbenringhersteller Federal Mogul noch vor sich. Doch jetzt beschäftigen sich die Mitarbeiter nicht mit Motorenteilen, sondern eine Stunde damit, dass es bei ihnen persönlich innerlich „rund läuft“. Die Firmenleitung hat zusammen mit dem Krankenhaus Friedberg zur Darmkrebsvorsorge 451 Mitarbeiter eingeladen. Dies sind über ein Drittel der Gesamtbelegschaft - alle, die älter als 45 Jahre sind und bei denen somit das Darmkrebsrisiko steigt. Rein nach der Statistik könnten unter ihnen bis zu zwei Betroffene sein, die schon einen Tumor im Darm haben. Knapp 50 haben wahrscheinlich Polypen als harmlosere Vorstufen davon.

Dies schätzt der Oberarzt der Inneren Medizin des Friedberger Krankenhauses, Dr. Albert Bauer, zugleich Koordinator des dortigen Darmzentrums. Er hofft, dass möglichst niemand ernsthaft erkrankt ist. Er impft seinen Zuhörern an zwei Terminen in der Kantine von Federal Mogul aber ein, wie wichtig die Früherkennung ist.

Im Darmkrebsmonat März setzt das Krankenhaus diesmal am Beispiel Federal Mogul auf betriebliche Vorsorge. Und Oberarzt Bauer wurde dort mit offenen Armen empfangen. Beim Personalleiter Albert Krzich hat er einen Mitstreiter gegen den Darmkrebs gefunden.

Denn die Firma unterstützt nicht nur die medizinischen Appelle. Die Mitarbeiter dürfen auch während der Arbeitszeit an den Infoveranstaltungen teilnehmen. Und darüber hinaus übernimmt Federal Mogul zusammen mit den Krankenkassen (BKK Pronova, AOK, Barmer und Techniker) auch den Großteil der Kosten für einen teureren, aber zuverlässigeren Test zur Darmkrebs-Früherkennung. Dass der Stuhltest „ganz simpel“ zu handhaben ist, erklärte Jürgen Fuhrländer von der Herstellerfirma ScheBo. Der Rücklauf der Proben wird bei Federal Mogul organisiert. Das Labor in der Friedberger Klinik übernimmt die Auswertung.

Ziel ist es für Oberarzt Bauer, Vorstufen frühzeitig zu behandeln, ehe sie zu Darmkrebs werden. Er verdeutlicht bei Federal Mogul, wie (überlebens-)wichtig dies ist. Damit leistet er Überzeugungsarbeit in der Firma. Beim ersten Termin in der vergangenen Woche heißt es, Schlange stehen für die Vorsorge. Offenbar besorgen sich alle 50 Teilnehmer der Vorsorgeveranstaltung den Früherkennungstest für eine Schutzgebühr von jeweils vier Euro. Und der Friedberger Federal-Mogul-Geschäftsführer Peter Kienast macht ebenso mit wie Personalchef Albert Krzich.

Mit dem Echo auf die Aktion ist der Personalleiter zufrieden. Viele aus dem Ausland stammende Mitarbeiter haben aber bislang noch die Teilnahme gescheut. Heute folgt die zweite Infoveranstaltung.

(Quelle: Augsburger Allgemeine, Bericht vom 22.03.2010)

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